Edition Phantasia

Paul Scheerbart
GESAMMELTE WERKE
IN ELF BÄNDEN

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BAND 1
1986, 640 Seiten, ISBN 3-924959-11-0
Romane 1: Vorwort von Dr. Franz Rottensteiner; IMMER MUTIG! EIN PHANTASTISCHER NILPFERDEROMAN MIT 83 MERKWÜRDIGEN GESCHICHTEN; ICH LIEBE DICH! EIN EISENBAHNROMAN MIT 66 INTERMEZZOS.
BAND 2
1986, 435 Seiten, ISBN 3-924959-12-9
Romane 2: NA PROST! PHANTASTISCHER KÖNIGSROMAN; DIE SEESCHLANGE. EIN SEE-ROMAN; DIE GROSSE REVOLUTION. EIN MONDROMAN.
BAND 3
1987, 517 Seiten, ISBN 978-3-924959-13-5
Romane 3: LIWÛNA UND KAIDÔH. EIN SEELENROMAN; DER KAISER VON UTOPIA. EIN VOLKSROMAN; DER TOD DER BARMEKIDEN. ARABISCHER HAREMSROMAN.
BAND 4
1987, 619 Seiten, ISBN 978-3-924959-14-2
Romane 4: TARUB. BAGDADS BERÜHMTE KÖCHIN. ARABISCHER KULTURROMAN; DAS GRAUE TUCH UND ZEHN PROZENT WEISS. EIN DAMENROMAN; MÜNCHHAUSEN UND CLARISSA. EIN BERLINER ROMAN.
BAND 5
1988, 553 Seiten, ISBN 978-3-924959-15-9
Romane 5: DAS PARADIES. DIE HEIMAT DER KUNST; LESABÉNDIO. EIN ASTEROIDEN-ROMAN.
BAND 6
1990, 528 Seiten, ISBN 978-3-924959-16-6
Erzählungen 1: »JA..WAS..MÖCHTEN WIR NICHT ALLES!« EIN WUNDERFABELBUCH; RAKKOX DER BILLIONÄR. EIN PROTZENROMAN und DIE WILDE JAGD. EIN ENTWICKLUNGSROMAN IN ACHT ANDEREN GESCHICHTEN; DER AUFGANG ZUR SONNE. HAUSMÄRCHEN; MACHTSPÄSSE. ARABISCHE NOVELLEN; ASTRALE NOVELLETTEN; DAS GROSSE LICHT. EIN MÜNCHHAUSEN-BREVIER.
BAND 7
1993, 557 Seiten, ISBN 978-3-924959-17-3
Erzählungen 2: MONDSCHEIN-NOVELLEN UND SALONPLAUDEREIEN, gesammelte Erzählungen aus Zeitschriften. Unveröffentlichte Stücke aus dem Nachlaß.
BAND 8
1988, 608 Seiten, ISBN 3-924959-18-8
Theaterstücke: KOMETENTANZ. ASTRALE PANTOMIME; DIE REVOLUTIONÄRE THEATERBIBLIOTHEK IN SECHS BÄNDEN; verstreute Stücke.
BAND 9
1994, 580 Seiten, ISBN 978-3-924959-19-7
Gedichte; Zeichnungen; Theoretische Schriften 1: KATERPOESIE; DIE MOPSIADE; verstreute Gedichte; VON ZIMMER ZU ZIMMER. 70 SCHMOLL- UND LIEBESBRIEFE; CERVANTES; DIE ENTWICKLUNG DES LUFTMILITARISMUS UND DIE AUFLÖSUNG DER EUROPÄISCHEN LAND-HEERE, FESTUNGEN UND SEEFLOTTEN. EINE FLUGSCHRIFT; DAS PERPETUUM MOBILE. DIE GESCHICHTE EINER ERFINDUNG; DIE GLASARCHITEKTUR; JENSEITSGALERIE;Verstreute Zeichnungen.
BAND 10.1 & 10.2
1995, S. 1-518, ISBN 978-3-924959-20-3
1996, S. 519-916, ISBN 978-3-924959-36-4
Theoretische Schriften 2: enthält alle in Zeitschriften erschienenen Essays, Rezensionen, programmatische Schriften usw. In Band 10.2 sind außerdem Nachträge und ein Gesamtindex enthalten.
Die in Band 10 der Gesamtausgabe veröffentlichten Texte stellen den bisher unbekanntesten Teil aus Scheerbarts Schaffen dar. Wie aus seiner lückenhaften Biographie bekannt ist, begann er etwa 1884 als Kunstgewerbeschriftsteller in verschiedenen Städten zu arbeiten. Der frühest erhaltene Text stammt von 1889, jedoch ist bekannt, daß er bereits 1885 beim Berliner Börsencourier als Kunstgewerbekritiker arbeitete. Er hat zu dieser Zeit auch noch nicht seinen typischen Schreibstil gefunden. Gerade die frühen Texte bis etwa 1896 zeigen uns einen äußerst realistischen jungen Schriftsteller, der die ihm gestellten Aufträge gewißenhaft erfüllt. Natürlich sind diese Lohnarbeiten keine Meisterstücke, die meisten sind wohl auch aus dem Tagesgeschäft der Kunststadt Berlin heraus entstanden. Doch sie zeigen Scheerbart als genauen Beobachter, der aus einer Distanz heraus auch zu konstruktiver Kritik fähig ist. Als er Jahre später dann "seine Themen" gefunden hat, den Luftmilitarismus, das Perpetuum mobile und die Glasarchitektur, ist diese Distanz verschwunden, der Realitätsverlust, auf den Mechthild Rausch bereits in ihrem Briefeband hingewiesen hat, wird deutlich erkennbar.
Die Anzahl der Artikel und Kritiken sinkt im Laufe seiner Karriere als Schriftsteller, war er doch ab 1897 hauptsächlich mit dem Schreiben seiner Romane und Erzählungen beschäftigt. Erst ab 1905 wendet er sich wieder verstärkt Sachthemen zu, jetzt aber hauptsächlich seinen eigenen. Parallel zu seinen Büchern entwickelt er seine aktuellen Themen in Artikeln, Glossen und Essays. So erscheinen ab 1908 in schneller Folge mehrere Artikel zum Theater, die sich auf Scheerbarts intensive Auseinandersetzung mit eigenen Stücken zurückführen lassen.
In immer neuen Varianten erläutert er ab 1908 seine Vorstellung vom Ende aller Kriege durch den Luftmilitarismus. Seine Naivität in politischen und wirtschaftlichen Dingen kommt hier besonders zum Ausdruck. Flugs werden alle Heere aufgelöst, die Kriegsschiffe zu Passagierdampfern umgebaut, alle Städte unter die Erde verlegt und einige hunderttausend Zeppeline angeschafft. Selbst wenn man die groteske Übertreibung berücksichtigt, Scheerbart handelt ja immer im Größten, ist doch zu erkennen, daß ihn diese fixe Idee ganz eingenommen hat.
Auch die Ignoranz der klassischen Physik und der Naturgesetze, die er im Zuge seiner "Forschungen" an einem Perpetuum mobile entwickelt, deuten auf eine getrübte Realitätssicht. Allerdings sind diese Gedanken tiefer verwurzelt. Bereits 1896 schreibt er in Das Ende des Individualismus: »Ich glaube sogar, daß wir Menschen eigentlich überhaupt nicht denken, sondern daß nur die Erde durch uns denkt.« Scheerbart hält die Himmelskörper für vernunftbegabte und beseelte Wesen, die Rückführung des Weltgeschehens auf physikalische Gesetze ist ihm zu banal. Somit erscheinen ihm auch die Nebulartheorie von Kant und Laplace nur als Gedanken der »Mutter Erde«. In einem solchen Weltbild ist natürlich dann auch ein Perpetuum mobile möglich.
Ein anderes Thema, die Entwicklung einer neuen Architektur, die letztendlich in dem Buch Glasarchitektur kulminierte, beschäftigte Scheerbart zeit seines Lebens. Bereits 1891 fordert er im Artikel Die Polychromie in der Frontarchitektur: »Buntes Glas in der Hausfront oder Email dürfte wohl in erster Linie zu empfehlen sein. Das An- und Aussehen einer Glasstrasse wird zweifellos neu und glänzend, mit blitzenden Spiegelreizen überladen, den düsteren Himmel überstrahlen. Man denke sich auch ein Schloss am blauen Meere, durch dessen Glaswände Purpur und Gold in den blauen Himmel leuchtet oder eine zinnoberrothe Villa im grünen Walde. Möge die Farbe auch in der Architektur einen glänzenden Sieg erstreiten. Die Farben, diese Sonnenkinder, verdienen den Sieg um ihrer selbst willen. Ein Axiom aber ist es, dass zur Markirung der architektonischen Rhythmen die Farbe genau so nothwendig ist wie die Form.«
Das durchscheinende, farbendurchglühte Glas zieht sich wie ein roter Faden durch Scheerbarts Werk. Artikel über Städtebau, Glasmalerei, Glasarchitektur und Fenster folgen. Scheerbart geht es aber nicht um die technische Realisierung seiner Vorstellungen, sondern um die Verwandlung der Welt zu einem vollendeten ästhetischen Kunstwerk. Seine Vision vom Gesamtkunstwerk Erde ist wohl auch der Schlüssel zu seinem Werk. Viele seiner Texte sind statisch, der Fortgang der Handlung dient oft nur dazu, diverse Wunder zu besichtigen und über die Schönheit der bunten Welt zu berichten.
In der realen Welt hat er diese Wunder wohl nicht häufig erleben können. Zeitlebens von Geldsorgen geplagt, gleicht sein Leben in und um Berlin eher einem steten Abstieg. Spenden seiner Schriftstellerfreunde, ein Hilfsfond, Zuwendungen von der Schillerstiftung halten ihn und seine Frau am Leben. 420 Mark Einkommen werden ihm 1903 von der Steuerbehörde bescheinigt, damit ist er sogar von der Zahlung der Einkommensteuer befreit. Im gleichen Jahr, so beklagt er sich in einem Brief, muß er über 350 Mark Miete bezahlen! Die Vision vom Gesamtkunstwerk war wohl auch Flucht aus der Realität.


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Paul Scheerbart
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GESAMMELTE WERKE IN ELF BÄNDEN

Einmalige Auflage von 300 handnummerierten Exemplaren, Hardcover gebunden in braunes Kunstleder mit Goldprägung, zweifarbiger Druck auf säurefreiem, alterungsbeständigem Werkdruckpapier, stabile Fadenheftung und Lesebändchen, umfassendes bibliographisches Nachwort von Uli Kohnle
ISBN Gesamtausgabe: 978-3-924959-43-2
Pro Band 75,– EUR; die Gesamtausgabe kostet komplett mit allen 11 Bänden 720,– EUR.
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